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Stefan Schön: Die Demonstration für die Universitäten des Landes

Sie brachte am 27. Mai 2026 beachtliche 28.000 Personen auf die Straße, die gegen 6% Einsparungen für das geplante Unibudget von 2028 bis 2030 protestiert haben. Die Universitätsleitungen haben korrekt und nüchtern errechnet, dass sie für den laufenden Betrieb in der folgenden Leistungsvereinbarungsperiode 18 Mrd. Euro benötigen werden. Nur 16,1 Mrd. will die Bundesregierung hergeben. Damit ignoriert sie die implizit hauptsächlich inflationsbedingten Kostensteigerungen und gefährdet den laufenden Betrieb der österreichischen Universitäten. Die kalkulierten 18 Mrd. sind demnach kein Wunsch, sondern der Bedarf, wie es Peter Holubar, Betriebsratsvorsitzender der BOKU treffend formuliert hat. Daher ist dieser Budgetstreit kein Rechenspiel, sondern berührt die staatliche Grundsatzfrage, ob und in welchem Ausmaß universitäre Forschung und Lehre zukünftig stattfinden sollen. Denn Fakt ist, dass alles unter 18 Mrd. Euro mit empfindlichem Substanzverlust einhergeht, sei es beim Personal, beim Betreuungsverhältnis, beim Lehrangebot, bei der Ausstattung, oder bei der Anzahl von Studierenden, die ja schon seit Einführung des Kennzahlsystems zur Studienplatzfinanzierung über die jeweiligen Leistungsvereinbarungen gelenkt werden kann. „Hochschulbildung ist ein Recht und kein Privileg“, proklamierte Stefan Krammer von der Senatsvorsitzendenkonferenz. Wer schützt dieses Recht, wenn nicht nur speed killt, sondern auch Geld, wenn man es nicht hat? Was, wenn Sparen die schlichte Realität wird, fragt sich Holubar und betont, dass Österreich starke Universitäten als demokratische Bollwerke braucht und dabei handelt es sich nicht um eine Bitte, sondern um eine Notwendigkeit.

Die Gruppe des „Netzwerks Unterbau Wissenschaft“, vertreten durch Cornelia Dlabaja und Florian Part fordert eine nachhaltige Hochschulstrategie, solidarisiert sich mit den Interessen der Studierenden, lehnt daher Studiengebühren ab, fordert faire Gehaltsabschlüsse und beklagt wiederholt die anhaltende Aneinanderreihung von Kettenverträgen, womit eine mangelnde Wertschätzung des „Mittelbaus“ verbunden ist. Das skandierte Fazit: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!“

Auch die Redebeiträge von Sigrid Stagl (Wissenschaftlerin des Jahres 2024) und Bianca Nageler (ÖH Vorsitz Uni Wien) berühren Grundsatzfragen, indem sie langfristiges Denken statt politischer Instabilität fordern, damit es ausreichend Antworten auf die schwierigsten Fragen unserer Zeit gibt. Stellen wir Einsparungen in Frage, weil Wissen Budgetsteigerungen verursacht! Eine Vertreterin von „Fridays for Future“ beklagt, dass viel Geld für Maßnahmen verschwendet wird, die Treibhausgaseffekte erhöhen, anstatt das Gegenteil zu tun. Lieber wird zerstört, als dass an die Zukunft gedacht wird. Es gibt eigentlich keinen Platz mehr für große Fehler in der Wirtschaft, vielmehr müssen diese konsequent verhindert werden und es darf keine sinnlosen Großprojekte mehr geben. An den Unis wird an Lösungen gearbeitet, die durch kritisches Denken entwickelt werden. Junge Studierende und junge Lehrende zeichnen ein eindrucksvolles Bild davon, was nächste Generationen leisten können und wollen, wenn man sie nur ließe.

Dementsprechend fordert Sebastian Schütze als Rektor der Uni Wien einen verlässlichen Finanzierungspfad, der drastischen Personalabbau, Verschlechterungen der Studienbedingungen und die Verringerung der Forschungsleistung sowie der Innovationskraft verhindert.

UNIKO Chefin Brigitte Hütter hält ein leidenschaftliches Plädoyer für Investitionen in die Menschen. Dabei wird kein Geld verbrannt, sondern in veredelter Form zurückgebracht. Die geplanten Kürzungen sind nicht hinzunehmen, weil wir nicht tausende Stellen streichen wollen und dem Nachwuchs Karrierestellen sichern wollen, sagt sie. Gute Bildungschancen und die Wettbewerbsfähigkeit müssen erhalten bleiben und können nicht dem Ziel geopfert werden, nur 4% des Bundeshaushalts auf Kosten der Universitäten abzusichern. Systemreformen zur Weiterentwicklung haben die Unileitungen geliefert und es läge nunmehr an der Regierung, Haltung zu zeigen. Denn tut die Regierung das nicht, so können die Universitäten auch nicht als sicherer Hafen für Wissenschaftler:innen aus den USA angepriesen werden, weil es diesen Hafen nicht einmal für die eigenen Wissenschaftler:innen gibt. Planungssicherheit auf Basis der Autonomie war bisher eine Erfolgsgeschichte der Universitäten. Sollte diese nicht mehr funktionieren, gibt es Lohnkürzungen, Kompensationskündigungen und keinen sozialen Zusammenhalt mehr. Vertreter:innen der ÖH ergänzen, dass eine Regierung, die Wissenschaft vernachlässigt, damit auch ihre Verantwortung vernachlässigt. Wir benötigen jedoch eine Politik, die auf Fakten baut.

Deshalb der Appell weiter zu demonstrieren und zusammen zu stehen!

Stefan Schön (Pressesprecher ULV) By Stefan Schön (Pressesprecher ULV)
Stefan Schön (Pressesprecher ULV)
30. Mai 2026

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Gegen Kürzungen der Uni-Budgets

Demo AMM

 Angesichts der kolportierten Kürzungen der Universitätsbudgets und der kolportierten Aussage der zuständigen Ministerin, Wissenschaft, Lehre und Forschung stünden in der Regierung nicht im Fokus, fand am Mittwoch, dem 27. Mai 2026, in Wien eine große Demonstration gegen die drohenden Einsparungen statt. Nach Reden vor dem Hauptgebäude der Universität Wien zogen rund 28.000 Teilnehmer — darunter natürlich auch ein Aufgebot der AMM — durch die Innenstadt zum Wissenschaftsministerium und weiter vor das Bundeskanzleramt.

Auslöser war die Ankündigung, dass für die Leistungsvereinbarungsperiode 2028–2030 statt der von der Universitätenkonferenz für notwendig erachteten 18 Milliarden Euro nur 15,5 Milliarden Euro vorgesehen sein sollen. Das entspräche einer faktischen Kürzung um 2,5 Milliarden Euro bzw. rund 14 Prozent. Die Universitäten warnten vor einschneidenden Folgen für Forschung, Lehre, Personal und Studienbedingungen.

Beginn der Demonstration war um 13:00 Uhr vor dem Hauptgebäude der Universität Wien. Organisiert wurde sie von der Österreichischen Hochschülerschaft, der Universitätenkonferenz, den Universitätsleitungen sowie Arbeitnehmervertretungen.

Die Universitätenkonferenz mobilisierte die Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH) unter anderem mit dem Hinweis auf eine mögliche Wiedereinführung beziehungsweise Erhöhung von Studiengebühren - auch wenn sie damit ein Thema ins Spiel brachte, das politisch nicht in ihrem Umsetzungsbereich liegt.

Der Preis dieser Mobilisierung zeigte sich dann freilich auch bei Teilen der Kundgebung: Neben den budgetpolitischen und universitätspolitischen Redebeiträgen kam es dann auch zu ideologischer Agitation. Abweichend von der offiziellen Rednerliste durfte auch Fridays for Future das Wort ergreifen - im Zuge des darauffolgenden Zuges zum Ballhausplatz wurden auch einschlägige politische Parolen skandiert und Palästina-Flaggen geschwenkt.

Die Schlusskundgebung vor dem Bundeskanzleramt war für 15:30 angesetzt.

Insgesamt: eine zahlenmäßig starke Demonstration gegen Einschnitte im Hochschulbudget — an einem heißen und extrem sonnigen Mittwoch. Wer am Arbeitsplatz keine Hautreaktionen vorweisen kann, der war wohl nicht dabei :)

 

Ivo By Ivo
Ivo
28. Mai 2026

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Beitrag in Nature zu halluzinierten Zitaten

In einem aktuellen Nature-Beitrag (Rubrik: News Feature, also ein journalistisch recherchierter Analysebeitrag) wird ein Problem beschrieben, das viele inzwischen aus eigener Erfahrung kennen: KI-Systeme erzeugen Literaturangaben, die plausibel aussehen, aber nicht existieren. Titel wirken glaubwürdig, Autoren passen thematisch, Journale klingen korrekt — nur führt der DOI ins Leere oder die Arbeit wurde nie publiziert.

Der Beitrag berichtet über eine eigene Analyse gemeinsam mit der Firma Grounded AI. Demnach wurden etwa 4.000 Publikationen aus dem Jahr 2025 untersucht, anschließend die 100 "verdächtigsten" Arbeiten manuell geprüft. In 65 davon fanden sich ungültige Referenzen. Daraus leitet der Artikel als grobe (und anfechtbare) Hochrechnung ab: Weltweit könnten mehr als 100.000 wissenschaftliche Arbeiten KI-generierte Falschzitate enthalten.

Die genannte Zahl ist stark hinterfragbar, da methodisch unklar bleibt:

  • wie die 4.000 Arbeiten ausgewählt wurden,
  • nach welchen Kriterien ein Paper als „verdächtig“ galt,
  • welche Fehlerarten überhaupt gezählt wurden.

Zusätzlich erfolgte die manuelle Analyse nicht an einer Zufallsstichprobe, sondern explizit an bereits vorselektierten „verdächtigen“ Arbeiten.

Aber dennoch: Das Problem ist evident, und die fehlerhaften Zitierungen schaffen es durch Peer-Review-Verfahren, weil sie von Large Language Modellen (LLM) bibliographisch plausibel „herbeihalluziniert“ werden. Zudem fokussieren sich Begutachtungsverfahren ja unbestritten nicht darauf, sämtliche zitierte Arbeiten auf ihre schiere Existenz zu hinterfragen – was aber, n.b., mittlerweile durch KI-gestützte Systeme zur Literaturrecherche wie Consensus grundsätzlich möglich wäre.

Ausdrücklich betont werden soll an dieser Stelle, dass nicht der (dann allerdings auch deklarierte) Einsatz von künstlicher Intelligenz bzw. LLM das eigentliche Problem darstellt. Halluzinierte Referenzen sind letztlich eine bekannte Systemeigenschaft dieser Sprachmodelle. Problematisch wird es dort, wo KI-generierte Literaturangaben offenbar ohne ausreichende menschliche Verifikation in wissenschaftliche Manuskripte übernommen werden.

Nicht nur, dass hier der eigenen Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen wird: Es zeigt sich auch ein grundlegendes Unverständnis dafür, wofür klassische LLMs tatsächlich geeignet sind (Sprachgenerierung und semantische Transformation von Text) — und wofür erst retrieval-gestützte Systeme (RAG) oder kuratierte Datenbankzugriffe erforderlich wären. Nicht-erweiterte LLMs besitzen keinen verlässlichen Zugriff auf kuratierte Literaturdatenbanken und sind daher grundsätzlich ungeeignet, bibliographische Referenzen zuverlässig zu erzeugen.

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Ivo
06. Mai 2026

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Neue Kündigungsregel für entfristete Drittmittelstellen im Uni-KV

Der 20. Nachtrag zum Uni-KV führt mit § 21 Abs. 2a erstmals eine spezifische Kündigungsregel für entfristete Drittmittelstellen ein. Die Regelung ist zudem zeitlich befristet: Sie gilt für Arbeitsverhältnisse, die zwischen 1. Jänner 2026 und 31. Dezember 2029 entfristet werden, und soll anschließend evaluiert werden (20. Nachtrag zum Uni-KV, 2025).

Bislang enthielt der Kollektivvertrag keine ausdrückliche Bestimmung, die den Wegfall von Drittmitteln als eigenen Kündigungstatbestand für unbefristete Arbeitsverhältnisse definierte. Kündigungen solcher Dauerstellen waren zwar möglich, mussten jedoch auf die allgemeinen arbeitsrechtlichen Regelungen und die bestehenden Kündigungsbestimmungen des § 21 Uni-KV gestützt werden. Der Wegfall einer Projektfinanzierung war daher kein explizit normierter kollektivvertraglicher Kündigungsgrund.

Der neue § 21 Abs. 2a Uni-KV schafft nun eine spezielle Regel für Arbeitsverhältnisse, die aus Drittmittelprojekten hervorgegangen sind und später entfristet wurden. Danach kann ein solches Arbeitsverhältnis gekündigt werden, wenn Drittmittel dauerhaft wegfallen oder erheblich reduziert werden und eine Weiterbeschäftigung an der betreffenden Organisationseinheit nicht möglich ist.

Der Nachtrag sieht zugleich eine Überbrückungsphase von bis zu zwölf Monaten vor, innerhalb derer versucht werden soll, eine alternative Finanzierung – etwa durch neue Drittmittelprojekte – zu sichern. Erst wenn sich zeigt, dass eine solche Finanzierung nicht zustande kommt, kann die Kündigungsregel angewendet werden.

Nach Darstellung der Kollektivvertragsparteien soll die Bestimmung dazu beitragen, mehr unbefristete Arbeitsverhältnisse im Drittmittelbereich zu ermöglichen, weil Universitäten bislang häufig davor zurückschreckten, Projektstellen zu entfristen, solange der spätere Umgang mit einem Wegfall der Finanzierung rechtlich unsicher war (GÖD-BV13, Informationen zum 20. Nachtrag).

Neben diesem euphemistischen Framing kann (und wird) die Regelung natürlich auch deutlich kritischer diskutiert werden - hier wurde erstmals ein spezifischer Kündigungstatbestand für eine bestimmte Gruppe von Dauerarbeitsverhältnissen geschaffen. Ob die Bestimmung tatsächlich zu mehr Entfristungen führt oder nicht vielmehr eine neue Kategorie von Dauerstellen mit eingeschränktem Kündigungsschutz etabliert, bleibt offen.

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Ivo
04. März 2026

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Ingwald unter dem Bundesadler

Ingwald Strasser im österreichischen Nationalrat (Enquete zur Novelle des Universitätsgesetzes 2002, 11. April 2008)

Seit Jahren taucht in Gesprächen mit älteren und ganz alten Semestern zu Ingwald und dem bestehenden Universitätsgesetz (bzw. der Hochschulpolitik allgemein) wiederkehrend der Satz auf: "Da hat damals Ingwald im Parlament eine Rede gehalten – es gibt sogar ein Foto von Ingwald unter dem Bundesadler!"

Niemals fand sich jemand, der die naheliegende Nachfrage "hast Du dieses Bild" bejahen konnte, auch tiefere Recherchen anlässlich der (Vorbereitung der Laudatio zur) Verleihung des Titels "Ehrenbürger der Medizinischen Universität Wien" an Ingwald und auch anlässlich seiner formalen Versetzung in den Ruhestand konnten dieses Foto nicht aufspüren, fast schien es sich um eine apokryphe Überlieferung zu handeln.

Umso größer ist die Freude, dass es nun gelungen ist, dieses Foto aufzuspüren und zeitlich exakt zuzuordnen (mein Dank an Michael Pretterklieber und Christian Cenker) – und mit der zeitlichen Zuordnung konnten dann die Veranstaltung und auch das Protokoll mit der Rede Ingwalds recherchiert werden:

Es handelte sich um eine parlamentarische Enquete des österreichischen Nationalrates zur "Novelle des Universitätsgesetzes 2002" (am 11. April 2008) und dem dazu verfassten stenographischen Protokoll. Nach einem einleitenden Impulsreferat des Wissenschaftsministers (Johannes Hahn) folgten vier Themenblöcke mit Impulsreferaten, Panelbeiträgen und allgemeiner Diskussion:

  1. Autonomie der Universitäten
  2. Steuerungsinstrumente/Leistungsvereinbarungen/Finanzierungsmodelle
  3. Universitätsrat–Senat–Rektorat („Leitungsdreieck“)
  4. Karrierechancen/Nachwuchs und UG-Reform

Das Originalprotokoll haben wir hier verlinkt, die beiden Beiträge Ingwalds – analytisch und verbal stets exakt und immer mit der einen oder anderen pointierten Spitze - geben wir nachfolgend im Originalwortlaut wieder. Und bei aller Freude, Ingwald beim Lesen dieser Zeilen förmlich als Person vor sich zu sehen: Bemerkenswert die Detailanalyse der zentralen Schwächen des UG, welche sich im Lauf der Jahre als absolut zutreffend dargestellt haben. Und zumindest ebenso bemerkenswert die stattgefundene Umsetzung von Ingwalds Forderung, dass der Betriebsrat "in den Universitätsrat hineingehört".

Wortmeldung 14.45 (Themenblock III – Allgemeine Diskussion)

Ass.-Prof. Dr. Ingwald Strasser (Zentralausschuss für die Universitätslehrer/innen):
Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin im Auftrag des Zentralausschusses für die Hochschullehrer hier, bin also dem Wesen nach den Betriebsräten zuzuordnen. Ich bin selbst auch stellvertretender Betriebsratsvorsitzender an der Medizinischen Universität Wien und möchte einige Aspekte, die zu diesem Thema hier schon angesprochen wurden, noch einmal herausstreichen.

Ich hoffe, Rektor Winckler fürchtet jetzt nicht, ich rufe die jugoslawische Arbeiterselbstverwaltung aus – Sie haben das heute Vormittag so ein bisschen in den Raum gestellt, dass das zu befürchten sei –, das werde ich nicht tun, aber doch auf einige Aspekte hinweisen.

Erster Aspekt: Mich hat den ganzen Tag schon überrascht, wie unscharf der Begriff der Universität ist. Ist sie jetzt ein Unternehmen sui generis oder welcher generischen Herkunft auch immer, oder ist sie gar, wie ich jetzt gerade gehört habe, ein Biotop? Ich bitte inständig darum, das UG 2002 so auszurichten, dass hier ein vernünftiger, den Aufgaben der Universität gerecht werdender Gesetzestext daraus wird.

Damit komme ich gleich zum zweiten Punkt. Ich habe hier auch gehört, in diesem Dreieck sei der Universitätsrat ein Aufsichtsrat sui generis. Dann nenne ich Ihnen jetzt meine Forderung. Der Betriebsrat muss in den Universitätsrat hinein, und wenn es nach dem Arbeitsverfassungsgesetz nicht geht, dann sage ich jetzt, ich bin ein Betriebsrat sui generis, und dann schaffen wir das entsprechende Gesetz dafür.

Unsere Erfahrungen mit dem Universitätsrat sind nicht gut. Wir wollen dort hinein, wir wollen dort unserem Auftrag nachkommen. Bei der Entwicklung des Gesetzes damals hat es geheißen, die Mitbestimmung kommt weg, aber tröstet euch, liebe Freunde – so hörten wir damals –, die Mitbestimmung läuft über den Betriebsrat. Jetzt sind wir an wesentlichen Dingen nicht beteiligt. – Das, um diesen Player da abzuhandeln.

Der zweite Player ist der Rektor. Aus meiner Sicht und auch aus der Sicht vieler Kollegen funktioniert die Zusammenarbeit, so wie sie auch in der Arbeitsverfassung vorgesehen ist, wenn der betreffende Rektor – meiner tut es – sich an diese Kulturfrage hält. Aber das Beschwören der Kulturfragen hat immer so etwas Vages an sich, darauf kann man sich nicht verlassen. Ich würde um entsprechende gesetzliche Regelungen bitten. Aber beim Rektor ist das Problem aus meiner Sicht nicht gegeben.

Zur Wahl des Rektors. Ich verstehe nicht, warum nicht eine Wahl durch die „Werktätigen“ sozusagen vorgenommen werden kann. Das Hohe Haus wählt seine Präsidenten auch nicht aus kleinen Gruppen heraus, sondern das gesamte Plenum stimmt dort ab.

Weiterer Aspekt: der Senat. Ich bin selbstverständlich dafür, dass wir die Mitbestimmung in der detaillierten Form haben, aber ich möchte mich jetzt gar nicht festlegen, denn als Betriebsrat sehe ich den Senat auch in seiner Rolle und Funktion als Arbeitgeber, weil er Beschlüsse fasst, zu denen der Betriebsrat Stellung nehmen muss – inhaltlich, formal et cetera. Also würde ich höflich bitten, auch dort zu überprüfen, in welcher Form wir die Mitbestimmung einfließen lassen, ob das jetzt repräsentativ geschieht – was mir am liebsten wäre – oder, wie vorhin gesagt wurde, aufgrund der Leistungen, das wäre im Detail zu prüfen.

Ein wichtiger Punkt ist bis jetzt nicht angesprochen worden, die Ebene tiefer. Bei der Mitbestimmung im Senat ist es sicherlich nicht so dramatisch, ob jetzt ein Professor mehr oder weniger da drinnen sitzt, aber das setzt sich auf den Ebenen der Organisationseinheiten und darunter fort. Da gibt es nämlich nichts, da ist das den Satzungen vorbehalten.

Hier wären gewisse rechtliche Vorgaben wahrscheinlich sehr nützlich. Denn die Jungen und die Wissenschafter sind nicht nur wegen des fehlenden KV irritiert, sie gehen überhaupt aus allen Gremien raus, weil das Gesetz, wie Kollege Steiner gesagt hat, vor Ort tatsächlich noch nicht angekommen ist. Das ist angekommen bei der Schicht, die mitgemacht hat, die Funktionäre waren, die eingebunden waren, aber ansonsten ist das Gesetz nicht angekommen. Hier bedarf es, sage ich einmal, vereinzelter rechtlicher Hilfestellungen, um auch die von Ihnen angedachte Kultur sozusagen greifen zu lassen. – Danke schön. (Beifall.)

Wortmeldung 16.46 (Themenblock IV – Allgemeine Diskussion)

Ass.-Prof. Dr. Ingwald Strasser (Zentralausschuss für die Universitätslehrer/innen):
Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Werte Anwesende! Ich beziehe mich jetzt auf Äußerungen von Prof. Mazal, der ein bisschen versucht hat, uns den Weg zu weisen – erstens: Betriebsrat in den Universitätsrat –, und dann einige Aspekte genannt hat, indem er etwa meint, das Arbeitsverfassungsgesetz sei mit der Organisation der Universität nicht ganz kompatibel. Das stimmt in einigen Bereichen, ich glaube aber nicht, dass es sinnvoll sein wird, schon innerhalb der Universität den Betriebsrat auf Substrukturen hinunter aufzudröseln. Das wird wahrscheinlich nicht funktionieren.

Wir haben da ein anderes Problem, bei dem wir arbeitsrechtlich, nach der Arbeitsverfassung ein bisschen ins Rutschen kommen, nämlich dann, wenn die Universität GesmbHs gründet, und zwar zum Beispiel GesmbHs wie die Max-Perutz-Gesellschaft, deren Personal ja noch zur Stammuniversität gehört, und wenn dort neues Personal angestellt wird. Da ist das bei der Interpretation der Mitspracherechte des Betriebsrats lebbar, das ist auflösbar, aber da könnte man, wenn man rechtliche Korrekturen anbringt, vielleicht ansetzen. Das wäre wahrscheinlich ein Punkt.

Überhaupt darf ich aber jetzt Folgendes anführen für den Fall, dass Sie bei der Gesetzesnovellierung arbeitsrechtliche Bestimmungen verändern oder hineingeben. Die arbeitsrechtlichen Bestimmungen des derzeit geltenden Gesetzes haben eine ungeheure Arbeit verursacht. Zwei OGH-Entscheide zeigen das, und es gibt noch viele ungelöste Fragen, MKV und Abfertigungsregelung, § 84 VBG et cetera. Hier würde ich das Hohe Haus höflich ersuchen, diese arbeitsrechtlichen Bestimmungen vorher mit Praktikern aus dem Arbeitsrecht zu diskutieren, um nicht nachher langwierige Prozesse führen zu müssen, die dann wieder nur zu Halblösungen führen. Sie wissen, wir haben derzeit ein arbeitsrechtliches Tohuwabohu in unseren Verträgen und Zuständen.

Ein weiterer Punkt: Ich gehe davon aus – da die Diskussion so verläuft –, dass zwar der KV gewünscht wird, aber offenbar auch im Gesetz noch irgendwelche Karriereaspekte eingeführt werden sollen. Da darf ich an zwei Gruppen erinnern, die bisher überhaupt nicht zur Diskussion gestanden sind. Das eine sind Karriereaspekte von künstlerischem Personal, und der zweite, mir näher liegende Aspekt betrifft natürlich die große Gruppe der Ärzte und Ärztinnen.

Diese haben ein ganz besonderes Problem im Umgang mit der Universität, weil sie mit ihrer Dienstpflicht, der ärztlichen Routine, in hohem Maße ausgelastet sind und die Forschung sehr stark sozusagen mit der Tätigkeit außerhalb der regulären Dienstzeit vermischt wird. Da bitte ich, falls Sie das angehen, diese Fragen sehr sorgfältig auszugestalten, um diesen Menschen eine Karrierechance und dem Spital, in dem sie arbeiten, sowie der Medizinischen Universität, an der sie tätig sind, Möglichkeiten für ein vernünftiges Umgehen mit diesen Ärzten zu geben. – Danke schön. (Beifall.)

Ivo By Ivo
Ivo
19. Jänner 2026

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Ingwald Strasser †

Mit tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser Ehrenmitglied Ingwald Strasser (*25. Jänner 1951) gestern, am 9. Jänner 2026 verstorben ist. Wir verlieren mit ihm eine der prägendsten Persönlichkeiten der MedUni Wien.

Ingwald war über Jahrzehnte jene Person, die die MedUni Wien – und davor bereits die medizinische Fakultät – in besonderer Weise prägte: der personifizierte Personalvertreter, dem diese Universität und ihre Bediensteten unendlich viel zu verdanken haben.

Seit der Gründung der Medizinischen Universität Wien im Herbst 2003 war Ingwald bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand im Herbst 2016 – der so jedoch in Wahrheit nie stattfand – durchgängig zumindest stellvertretender Vorsitzender des Betriebsrates. In dieser und weiteren Funktionen begleitete und gestaltete er maßgeblich zentrale Phasen des universitären Umbruchs, wie z.B. den Übergang von UOG 75 auf UOG 93 und damit die Teilrechtsfähigkeit der Universitäten, die Einführung des KA-AZG, die Implementierung des UG 2002 sowie die Schaffung und Implementierung des Kollektivvertrages.

Ingwald gehörte nicht zu denen, die an der Universität arbeiten, also angestellt waren – er arbeitete AN der Universität, im Sinne von Gestaltung und universitärer Weiterentwicklung. Mit dem zentralen Fokus auf deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Verständnis, dass eine Universität nicht aus einer Summe von Angestellten besteht, sondern dass es die Menschen sind, welche die Universität bilden. Und dass Strukturen für diese Menschen da sein sollten und nicht umgekehrt.

Aus dieser Überzeugung heraus setzte er sich unermüdlich für die Anliegen der Bediensteten unserer Universität ein, ebenso für jene der ausgegliederten Gesellschaften. Wurde ein Problem an Ingwald herangetragen, wusste man es in guten Händen. Unbeirrbar, verlässlich und mit absoluter Diskretion begleitete er Anliegen bis zu ihrer – meist positiven – Lösung. Sein Handeln war geprägt von Hilfsbereitschaft, von der Suche nach praktikablen Wegen und von einer Haltung, die sich nie in den Vordergrund drängte. Häufig wirkte er im Hintergrund, vermittelte und ermöglichte Lösungen, ohne sich selbst zum Thema zu machen.

Dass Ingwald in dieser Rolle ein so außergewöhnliches Ausmaß an Bekanntheit, Wertschätzung und – vor allem – tiefem Respekt erlangte, ist wohl der beste Beleg für seine stetige, ehrliche und integre Arbeit an unserer Universität.

Die Leere, die Ingwalds Ableben an unserer Universität hinterlässt, lässt sich in Worten nicht ausdrücken.

Aber noch viel größer ist die Leere angesichts des Verlustes eines wunderbaren Menschen, eines sehr engen persönlichen Freundes. Eines humorvollen, zutiefst anständigen Menschen, der immer "da" war – eben auch als Freund.

Der sich auch seiner Krankheit mit der gleichen nüchternen Analysefähigkeit stellte, die ihn beruflich charakterisierte. Der seinen Optimismus auch in dieser Situation nie verlor und der auch am Krankenbett noch bis zuletzt als Diskussionspartner und Ratgeber zu universitären Themen fungierte – es war Teil seiner Persönlichkeit, Teil seines Lebens.

Es war offensichtlich, dass sich in den letzten Wochen Ingwalds Gesundheitszustand deutlich verschlechterte. Als unsere täglichen Telefonate um die Weihnachtszeit herum einen zweitägigen Rhythmus bekamen, der wenig später dreitägig wurde, ließen auch die persönlichen Besuche das eigentlich Unvorstellbare dann doch erahnen.

Es tut mir leid, wenn ich jetzt und in dieser Situation nicht die Worte finde, um alle Facetten Deiner Persönlichkeit anzusprechen - aber wir sind unendlich dankbar, einen so langen (wenn auch immer noch zu kurzen) Weg mit Dir gegangen zu sein.

 

„Ich habe immer alles verstanden, nur nicht den Tod“
Von der Liebe und anderen Dämonen (Gabriel García Márquez, 1994: Del amor y otros demonios).

Ivo By Ivo
Ivo
10. Jänner 2026

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